
"Kunst und Kultur in der Krise?"
- Talkrunde mit Jürgen Flimm, Corinne Flick, Peter Simonischek, Michael Schade, Michael Frank und Michael Schindhelm
- TV-Übertragung: 23.08. ab 17 Uhr (Phoenix)
Salzburg, August 2009. Unter der Moderation von Wolfgang Herles, ZDF-aspekte, diskutierte am 11. August im Festspielhaus eine illustre Runde zum Thema: "Die Vermessung der Welt. Kunst und Kultur in der Krise?" Club-Autorenbeirat Herles wollte der Frage nachgehen, ob und wie sich die Finanzkrise auf die Künste auswirkt oder ob diese Krise eigentlich eine Chance auf Rückbesinnung darstellt.
Während Intendant Jürgen Flimm allgemein erklärte, er sei überrascht, "diesen Spielplan, der ja schon viel älter ist als die Krise, sich auf einmal auch auf die Krise bezieht.", hat die Finanzkrise für den "Jedermann"-Darsteller Peter Simonischek konkrete Auswirkungen auf das Stück "vom Leben und Sterben eines reichen Mannes". Anders als früher mache er neuerdings eine kleine Pause beim Satz: "Durchs Geld ist unsere Welt in ein höher Ansehen gestellt". Dadurch habe der Zuschauer "zwei Sekunden, um entweder einen Haken drunter zu machen oder ein Minus."
Der Sänger Michael Schade wollte eine so enge Gegenwartbezogenheit der Kunst nicht sehen. Vehement erklärte er: "In 200 Jahren sitzen wir immer noch da und vielleicht ist dann die nächste Krise. Aber Mozart wird auf jeden Fall da sein."
Die Industrielle Corinne Flick ging sehr pragmatisch auf die Rolle der Sponsoren ein. Sie befürchtete, dass mit der Krise "viel Sponsoring verloren gehe. Alle Menschen haben Geld verloren". Dem widersprach Michael Schindhelm, der in Dubai ein internationales Kulturprojekt aufbauen wollte. Als einziger in der Runde hat er die Grenzen privater Förderung bereits erfahren, seine Arbeit wurde gestoppt. Trotzdem forderte er, "dass die Europäer mit ihren enormen Leistungen und Anspruch an die Kultur gut daran täten, sich durch die Krise stärker dem Nicht-Europäischen zu öffnen". Er plädierte für einen kontinuierlichen und interkulturellen Dialog - mit oder ohne Krise.
Die Podiumsgäste:
Corinne Michaela Flick ist Kuratoriumsmitglied der TU München und Mitglied des International Counsils der Tate Gallery.
Jürgen Flimm ist seit 2006 er Intendant der Salzburger Festspiele. Ab 2010 übernimmt er die Intendanz der Berliner Staatsoper Unter den Linden.
Seit 1986 ist Michael Frank Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung für Österreich und angrenzendes Mitteleuropa. Er wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Joseph-Roth-Preis und der 'Goldenen Feder' für die deutsch-tschechische Verständigung.
Binnen kurzer Zeit entwickelte sich der Michael Schade zu einem der international erfolgreichsten Sänger seiner Generation und zum Mozart-Tenor. Weltweit gastiert er regelmäßig an allen bedeutenden Opern- und Konzerthäusern.
Der Autor, Librettist und Übersetzer Michael Schindhelm leitete die Berliner Opernstiftung. Als Kulturdirektor die "Dubai Culture and Arts Authority" ging er 2007 nach Dubai.
Über zwanzig Jahre spielte Peter Simonischek an der Berliner Schaubühne bis er 1999 zum Wiener Burgtheater wechselte. Bei den Salzburger Festspielen spielt er 2009 zum 91. Mal den "Jedermann" - so oft wie kein anderer Schauspieler vor ihm.
