Blaues Sofa erinnert an Jorge Semprún

Berlin , 12. Dezember 2011 

Das Blaue Sofa, renommiertes Autorenforum von Club Bertelsmann, Deutschlandradio Kultur und dem ZDF, ist normalerweise ein Ort, an dem das Publikum bekannte oder gerade bekannt werdende Autoren selbst erleben, ihre Werke kennenlernen und mit ihnen diskutieren kann. Am 12. Dezember jedoch stand das Blaue Sofa in der Bertelsmann Repräsentanz Unter den Linden 1 ganz im Zeichen eines Autors und Politikers, der nicht mehr persönlich anwesend sein konnte: dem spanischen Schriftsteller und langjährigen Ehrenmitglied des spanischen Clubs Circulo de Lectores Jorge Semprún, der am 7. Juni dieses Jahres verstarb. An ihn erinnerten an diesem Abend der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe González sowie Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Ursprünglich, so erklärte es in seiner Begrüßung der spanische Botschafter Rafael Dezcallar de Mazarredo, sei ein Gespräch zwischen Jorge Semprún und Norbert Lammert geplant gewesen. Beide waren sich 2010 anlässlich der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald begegnet. Doch aufgrund von Semprúns angegriffener Gesundheit sei es dann nicht mehr dazu gekommen. An seiner Stelle erklärte sich dann sein langjähriger Freund und politischer Weggefährte, der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe González, zur Teilnahme bereit.

 

 

Und wie in diesen Tagen wohl kaum anders zu erwarten, geriet das von Wolfgang Herles moderierte Gespräch zum Thema „Was heißt es, ein Europäer zu sein“ rasch zu einer Diskussion über die aktuelle Krise der Europäischen Union. Einer Diskussion, die von den rund 170 hochkarätigen Gästen aus Politik, Medien und Kultur, unter ihnen der Literaturnobelpreisträger Imre Kertész sowie der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Enrique Báron Crespo, mit viel Spannung verfolgt wurde. Semprún selbst hätte das sicher gutgeheißen, war er doch zeitlebens ein engagierter Verfechter der europäischen Idee. Europa war für ihn „ein allgemeines und gemeinsames politisches Projekt, das Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit garantierte“. Seine Forderung an die Europäer, „Es ist an jedem von uns, dieses Projekt mitzutragen, es zu verteidigen und mit Leben zu erfüllen!“, hat – darin waren sich wohl alle Gäste an diesem Abend einig – nichts an Aktualität verloren.

 
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